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Jens Jassens
15.04.2007, 21:29
WAS IST EINE VERBRENNUNG / VERBRÜHUNG ???

- Eine direkte Hitzeeinwirkung auf das Gewebe ( Haut ) führt in Abhängigkeit von
- Temperatur, Einwirkung und Art der Wärme zu Schädigungen.

MECHANISMEN BEI VERBRENNUNGEN & VERBRÜHUNGEN :

Ab 45°C:
- Die in Zellen befindlichen EIWEIßE gerinnen und zerfallen ( Proteindenaturierung z.T. reversibel).
- Reizung der Schmerzrezeptoren.
- Immobile Patienten ( auch Säuglinge < 6Monat ) können sich bei Einwirkung über längere Zeit Verbrennungen/Verbrühungen zuziehen.
- z.B. durch untergelegte, zu heiße Wärmflaschen ( >45°C über 1h ).

Ab 55°C:
- Blasenbildung.

Ab 65°C:
- irreversibler Zelltod ( Hitzekoagulation ).
- Verbrühungen nach wenigen Sekunden möglich.
- Verdampfung des Gewebswassers ( Austrocknung ).
- Bei hohen Temperaturen: chemische Zersetzung und Verbrennung der organischen Zellsubstanzen, = Verkohlung

FOLGEN

a) Lokale ( Haut-) Schäden
b) Systematische Folgen für den Gesamtorganismus
1. Verbrennungskrankheit:
Pathophysiologie: Direkte Schädigung der Kapillaren - erhöhte Durchlässigkeit, starker Proteinverlust,
Störungen der Mikrozirkulation durch Eindickung der Blutes ( die festen Blutbestandteile werden zurückgehalten ), Freiwerden von Verbrennungstoxinen,
- weitere Kapill*****äden, Hämolyse ( Erythrozytenzerfall ). Folgen: Volumenverlust, Ödembildung, Hämokanzentration, Mikrozirkulationsstörungen,
Sauerstoffmangel im Gewebe, metabolische Azidose - Verbrennungsschock, Akutes Nirenversagen, ARDS

2. After burn:
Hypovolämie und Viskositätsanstieg des Blutes können zu schlechterer Versorgung und damit zu sekundären Nekrosen führen.

3. Lungenschäden:
Lungenödem, ARDS nach Rauchgas-/Flammeninhalation

4. Infektionen
Sepsis

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Hypo - niedrig
Hyper - hoch
Volämie - Gesamtvolumen
ARDS - Adult Respiratory Distress Syndrome ( akutes progressives Lungenversagen )
Ödem - Flüssigkeitsansammlung
Sepsis - Blutvergiftung
Viskosität - Zähflüssig ( Viskosität des Blutes = höhere Gerinnung des Blutes )
Nekrose(n) - Gewebszerstörung / abstrebendes Gewebe

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Einteilung der Verbrennungen

GRAD I - epidermale Schädigung

Betroffen ist nur die Oberhaut, eine Regeneration ist vollständig möglich ( heilt in der Regel von selbst aus ).
SYMPTOMATIK:Rötung, Schmerzen, Schwellung ( z.B. wie bei einem Sonnenbrand )


GRAD II - dermale Schädigung

Tiefere Hautschichten ( Oberhaut + Lederhaut ) geschädigt oder teilzerstört, eine Regeneration ist möglich ( längerer Heilprozess, je nach Tiefe Narbenbildung ).
SYMPTOMATIK: Rötung, Schwellung, Schmerz und Blasenbildung

- GRAD IIa - roter Untergrund
( Rötung ist wegdrückbar* ) Blasengrund feucht, stark schmerzhaft - nur oberflächliche Dermisschädigung - in der Regel konservative Behandlung
- GRAD IIb - heller Untergrund/weiße Areale
( Rötung ist wegdrückbar ) Blasengrund trocken, schmerzhaft - tiefe Dermisschädigung ( Haarfollikel und Drüsenanhänge noch intakt )
- in der regel OP ( Nekrektomie, Spalthautdeckung )


GRAD III - subdermale Schädigung

Völlige Zerstörung des hautgewebes ohne Regenerationsmöglichkeiten.
Später ist eine Hauttransplation notwendig.
SYMPTOMATIK: grau-weiße Nekrosen, evtl. tiefrot verfärbte, ausgebrannte oder verkohlte Haut. Die Oberfläche kann auch intakt
und nur leicht verfärbt sein; die Konsistenz ist in der Regel verändert ( z.B. trockene lederartige Verhärtung ).
Charakteristisch für eine drittgradige Verbrennung ist das fehlende Schmerzempfinden**


GRAD IV

Zusätzlich Schädigung/Zerstörung tiefergelegender Strukturen ( Muskeln, Bänder usw. )
Besonders bei elektrischen Verbrennungen ( Hochspannungsunfällen )

*= Glasspateltest - **= Nadelstichtest

http://img528.imageshack.us/img528/3256/verbrennungstiefeoq1.gif (http://imageshack.us)


Flächenausdehnung einer Verbrennung

Der Anteil der verbrannten / verbrühten Körperoberfläche wird nach der
sogenannten NEUNER-REGEL ( nach Wallace ) abgeschätzt.

- Die Neunerregel ist zwar zahlenmäßig nicht exakt, aber zur Notfalleinschätzung geeignet.

- Mit zunehmendem Alter verringert sich der Oberflächenanteil des Kopfes, wobei der der Beine zunimmt.

- Die Handfläche des Patienten ( ohne Finger ) entspricht etwa 1% seiner Körperoberfläche ( gilt für alle Altersstufen )

Die Genitalregion wird in allen Altersstufen mit je 1% der Körperoberfläche angesetzt.

- BEACHTE: in der Praxis wird das Verbrennungsausmaß häufig zu hoch, die Verbrennungstiefe aber eher zu niedrig eingeschätzt.

http://img360.imageshack.us/img360/1913/neunerregelja9.jpg (http://imageshack.us)

Rettungsdienstliche Maßnahmen

- Gefahrensituationen einschätzen ( Eigensicherung beachten ) evtl. über RLST anfragen ob und wann Feuerwehr alarmiert worden ist
- Gefahrenquellen berücksichtigen - Gegebenenfalls Löschen, Retten
- basischeck / Bodycheck ( Begleitverletzungen beachten ) Basismaßnahmen
- Frühzeitg NA Nachforderung ( ggf. RTH )
- Bei noch brennender Kleidung: Person über den Boden rollen, bis die Flammen erstickt sind
- Insbesondere bei Verbrühungen: Kleidung entfernen ( verklebte oder verschmolzene Fremdkörper in der Wunde belassen ); Brandblasen geschlossen lassen
- Lagerung auf Verbrennungstücher ( metallbedampft ) ggf. Schocklagerung


IM EINSATZ BEACHTEN

- Zum Transport: sterile, trockene Wundabdeckung ( mit speziellen nicht haftenden Verbandsstoff ); möglichst kein direckter Kontackt
verbrannter Haut mit Flüssigkeit ("feuchte Tücher") - Geeignet ist z.B. Metalline® oder aluderm®

- Bei Hand & Fuß Verbrennungen: Schmuck ( Ringe / Ketten ) so früh wie möglich entfernen ( Schwellung mit Minderdurchblutung und später erschwerter Entfernung ); Zehen / Finger mit nicht haftenden Verbandstoffen separieren.

- Bei hochgradigen Verbrennungen frühzeitig an eine RTH Anforderung denken. Grade zu späteren Zeiten ( Dämmerung / Nachtzeiten ).


Hier noch ein Link der zur Zeit in Deutschland bestehenden Verbrennungsbetten (siehe Punkt 5)

http://www.rettungsdienst-links.de/fachinfo/basics/ba-brand.html#bav-5

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Hoffe es ist alles ganz verständlich geschrieben für alle.
Alles gute und seit Vorsichtig bei eurer nächsten Grillparty.

Gruß JJ

Martin Hannemann
16.04.2007, 06:34
Auch hier ein FANTASTISCH,

Danke Jens für deinen Beitrag. Unsere datenbank entwickelt sich langsam aber sicher zu einem medizinisch interessanten Lexikon.

Danke
Martin

Markus Muck
18.04.2007, 18:53
Jo, herzlichen dank. Mehr und mehr verstehen wir nicht-mediziner, was wir durch die gegend kutschieren ^^

Gruß aus München
Markus